Eine Reise ins Trentino zu Grappa Marzadro

Als langjähriger Händler waren wir von Grappa Marzadro eingeladen. Und so folgten wir dem Ruf an den Gardasee. Somit waren wir 2 von 30 Millionen Touristen, die jährlich die Region um den größten und wohl auch beliebtesten See Italien besuchen. Immerhin 70.000 davon folgten ebenfalls der Einladung der Distilleria Marzadro zu einer Brennereibesichtigung.

Die Distilleria Marzadro wurde 1949 von den Geschwistern Sabina und Attilio Marzadro gegründet und wird heute in dritter Generation von den Söhnen Stefano und Andrea sowie den beiden Töchtern Anna und Fabiola geführt. Die nächste Generation wirkt bereits an der Erfolgsgeschichte mit. Wir hatten das Vergnügen fast alle Familienmitglieder kennenzulernen. Jeder ist im Unternehmen aktiv,  für einen anderen Bereich zuständig, aber alle brennen mit großer Leidenschaft für den Grappa Marzadro.

Um die große Entwicklung des Unternehmens zu verinnerlichen, starten wir unseren Grappatag in Brancolini. Dort verwirklichte Sabina Marzadro ihren Traum vom eigenen kleinen Destillierkolben, um der traurigen Armut als Dienstmädchen zu entfliehen. Noch heute wohnen einige Familienmitglieder in dem hübsch renovierten, top-gepflegten Anwesen.
Durch den Tag begleitet uns Max. Er erzählt uns  vor dem Gebäude der alten Distilleria Marzadro von der bewegten Geschichte des Unternehmens. Maximilian Meyer-Spelbrink ist seit kurzem für den deutschen Markt zuständig. Der Liebe zu einer Italienerin hat er es zu verdanken, dass er fließend italienisch spricht und sich um die Stelle bei Marzadro beworben hat. Auch in ihm brennt die Leidenschaft zum Grappa schon lichterloh.
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Der Traum von Sabina jedenfalls entwickelte sich rasch prächtig. In den Bars hörte man immer häufiger „für mich einen Marzadro“. Das hatte es bisher noch nicht gegeben, dass ein Getränk den Namen einer Familie trug. Die gute Qualiät kam nicht von ungefähr, schon früh setzte man auf Rebsorten, die in direkter Nachbarschaft der Brennerei wuchsen, wie Marzemino oder der Teroldego.
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Die Moto Guzzi, in dessen Beiwagen  Attilio die ersten Grappa-Flaschen zu seinen Kunden fuhr, steht heute in einem 2004 erbauten, beeindruckenden, modernen und energiesparenden Gebäude. Malerisch eingebettet zwischen den Weinbergen liegt der neuen Firmensitz, der zur Hälfte Produktionsstätte und zur Hälfte für Besucher offene Ausstellung ist. Doch es wird schon wieder gebaut.

Der Reifekeller wird verdoppelt und eine Art „Grappa-Erlebnispark“ gebaut. Schließlich wollen die Marzadros im nächsten Jahr 100.000 Besuchern das Thema Grappa näher bringen. „Das ist für uns eine gute Investition. Wir zeigen hier den Besuchern, wie man Grappa macht und welche Qualitätsunterschiede es gibt. Wenn sie zurück nach Hause kommen, wollen sie in Fachgeschäften Marzadro Grappa kaufen, “ erklärt Geschäftsführer Stefano Marzadro.

Maßgeblich für einen guten Grappa ist das gute Traubenmaterial. Frisch geerntet sollen die Trauben sein. Traubenschalen und Kerne, aber möglichst wenig Stile und eine ausreichende Menge Traubensaft müssen im Trester vorhanden sein. So wird an nur 100 Tagen,  zwischen September und Dezember, dann aber rund um die Uhr (24/7) gearbeitet, um den frischen Trester zu destillieren.

Die gute Zusammenarbeit mit den regionalen Weingütern, die meist nicht mehr als 30-50 km im Umkreis liegen, ist der Familie Marzadro besonders wichtig. Dass Grappa ein Abfallprodukt ist weist Andrea Marzadro von sich. Äußerst sorgfältig sucht er den Trester aus. Da können 100kg Gewürztraminer-Trester schon mal 35€ kosten.

In dem Monaten Januar bis August produziert Marzadro u.a. zahlreiche Liköre. Einst aus der Not geboren, denn in den 80er ging der Grappaumsatz stark zurück, ist Likör heute ein guter Umsatzbringer. Der damals neuentwickelte Grappalikör mit Heidelbeeren erfreute sich großer Beliebtheit. So überwand man mit Likör die Grappakrise und wurde zu einem erfolgreichen und krisenresistenten Unternehmen. Heute gehören der Amaro, ein Kräuterlikör auf Grappabasis, und der Olia del Garda, ein Grappa der auf schwarzen Oliven reift, sowie der Bellabomba, „der“ italienische Eierlikör zu den Topsellern im Likörbereich.
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Das Herzstück der Brennerei sind die acht Brennblasen aus Kupfer in denen der mehrfach bei nationalen und internationalen Wettbewerben prämierte Grappa im traditionellen, diskontinuierlichen Brennverfahren destilliert werden. Das bedeutet: der Kessel wird mit Trester gefüllt, dann wird einmal gebrannt, danach der Kessel gereinigt und von neuem mit frischen Trester gefüllt. Und obwohl zum Zeitpunkt unseres Besuches ja gar nicht gebrannt wurde, duftete es eindrucksvoll nach fruchtigem Grappa. Nur die Verwendung der besten Rohstoffe, moderne Technologie und handwerkliches Können, sowie die jahrzehntelange Erfahrung des Brennmeisters Andrea garantieren die besondere Qualität des Grappa Marzadro.

Die Destillation erfolgt im Wasserbad-Dampf-verfahren. In Brennblasen aus Kupfer werden die frischen Trester schonend erhitzt. Das computer-gestütztes Kontrollsystem überwacht den Vorgang. Die so gleichmäßige Temperatur begünstigt die große Geschmacks- und Aromenvielfalt und die Weichheit des Grappas. 

200kg Trester und etwas Wasser fasst ein Kolben,  4-5 Stunden dauert ein Brenndurchgang. Alkoholdämpfe und leicht lösliche Aromen steigen als Dampf in den langen Röhren nach oben. Im Inneren der Säule gibt es jeweils 8 Siebböden. Dies ermöglicht am Ende des Brennvorgangs einen hochprozentigen Alkohol (80%) zu erhalten. Der heiße Alkoholdampf tritt an der Unterseite des Bodens ein. Ein Teil des Dampfes steigt weiter auf bis zum nächsten Boden, ein Teil kondensiert. Ist der Boden voll, läuft das Kondensat hinab in den darunterliegenden Boden, um dort wieder erhitzt zu werden und erneut als Dampf aufzusteigen.
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Je höher der Dampf steigt, desto höher sein Alkoholanteil. Die allerflüchtigsten Alkohole, wie Methanol, lässt man an der Spitze der Säule als Dampf entweichen. Jede Tresterkomponente (es sind etwa 300 bekannt) erreicht ihren Siedepunkt bei einer anderen Temperatur. Der erfahrene Brennmeister trennt das Mittelstück, den sog. Feinbrand, vom Vorlauf und vom Nachlauf.

100kg Trester ergeben 6-7 Liter hochprozentigen Grappa. Dieser wird mit einer etwa gleichen Menge entjodifiziertem Wasser aus eigener Quelle auf Trinkstärke von 42% vol. Alkohol gebracht.

Beim Rundgang durch den Keller erklärt Andrea nicht nur seinem Sohn Luca, den Unterschied zwischen Grappa aus roten und weißen Trauben, sondern auch uns. Grappa aus roten Trauben ist stabiler, er verändert sich nach einem Monat im Stahltank nahezu nicht mehr, während der Grappa aus weißen Trauben sich während der 6-12 monatigen Reife praktisch täglich in Duft und Geschmack ändert. 

Nun probieren wir direkt aus dem Fass und sind überrasch, wie viele Aromen wir trotz des hohen Alkoholgehaltes (60-70%) erschmecken und wie weich er doch wirkt. Auch die Sortentypizität, z.B. beim Gewürztraminer, den wir erkennen, ist beeindruckend. 

Die Lagerung in den zahlreichen Holzfässern zwischen 60, 225 und 400 Litern wird vom Zoll strengt kontrolliert. Über 100 Plompen sind im Lagerkeller angebracht. An die Fässer kommt Andrea nur, wenn es Zollbeamter vor Ort ist.

30 Destillerien gibt es im Trentino und zwei Zollbeamte. Einen für Marzadro und einen für die restlichen Grappabrenner. Bei 1 Mio. Liter Grappa im Lager entspricht das ca. 11 Mio. € Brandweinsteuer. Etwa 80.000€ Steuer in einem Edelstahltank. Grappa ist ein einträgliches Geschäft, auch für den Staat. 3 Millionen Flaschen à 700cl werden jährlich im Trentino erzeugt.

Das Lagern in Holzfässern bindet enorme Liquidität. Dabei wirkt jede Holzart anders auf den Grappa. Kirsch atmet sehr stark. 12% des Volumens können in einem Jahr verdunsten und so verloren gehen. Dieser Anteil ist für die Engel und taucht den Gewölbekeller in einen betörenden Duft.
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Ein Kenner ist in der Lage herauszuschmecken, ob ein Grappa in Eiche, Akazie, Esche oder Kirsche gereift ist. Dabei darf er sich nicht von der Farbintensität leiten lassen, denn auch die Größe des Holzfasses ist verantwortlich für die Farbe des Grappas. Je kleiner das Fass, desto intensiver die Farbe und die Aromen. Die besten Lagerbedingungen sind bei ca. 70% Luftfeuchtigkeit und 17 Grad Celsius Temperatur.

Stefano Marzadro ist Vizepräsident des Istituto Tutela Grappa del Trentino. 1968 haben sich 24 Brennerein aus dem Trentin zusammengeschlossen. Es gibt strenge Selbstregulierungsvorschriften, unabhängige Qualitätskontrollen und ein gemeinsames Sigel: der Dreizack.
Nach einem köstlichen Mittagsmahl an dem auch einige Familienangehörige und Mitarbeiter Marzadros teilnehmen, ist es endlich soweit. „Denn Grappa ohne Probieren ist wie ein wunderschöner Ferrari ohne Benzin, der bleibt stehen“, so der Vertriebsleiter Italiens.

Zwölf unterschiedliche Grappen durften wir nun probieren. Anhand dieser 12 Grappen erklärt sich die Marzadro-Qualitätspyramide. Eine sehr kluge „Erfindung“, die es uns Grappahändler ermöglicht die Qualitäts- und Preisunterschiede dem Kunden auch visuell zu vermitteln. Beeindruckend wie viele Gedanken sich hier rund um dem Grappa gemacht werden: das fängt beim Trester an und hört bei der Unterstützung der Händler mit Verkostungs- und Marketingstools nicht auf. Eine Mitarbeiterin individualisiert in Handarbeit Grappaflaschen mit Firmenlogos oder Hochzeitsdaten.

Die unterste Stufe der Qualitätspyramide besetzen die beiden La Trentina Grappen, der klare Traditionale ist aus weißen Traubentrestern, der Morbida wird aus roten Trestern hergestellt. Eine solide Basis zum interessanten Preis. Auf der nächsten Stufe stehen der Le Diciotto Lune und der Anfora. Der Diciotto Lune ist der umsatzstärkste Grappa Marzadros. Er begeistert Grappa-Neulinge und Kenner gleichermaßen. 2013 kürte ihn die Jury beim IWSC zum besten Grappa der Welt.  Erst 2002 wurde er bis zur Marktreife entwickelt. Er wird aus 5 Traubensorten destilliert: Marzemino, Teroldego, Merlot, Muskat und Chardonnay, um dann 18 Monate (18 Monde) in Fässern aus Kirsche, Esche, Eiche und Akazie zu lagern. So entsteht ein wunderbar runder Grappa.

Um dem Kunden ein Gegenstück zum Diciotto Lune, einen klaren, runden Grappa, bieten zu können wurde der Amphora „geboren“. Er ist der erste Grappa der Welt, der in Amphoren, die eigens für Marzadro hergestellt wurden, reift. Er wird ebenfalls aus den Rebsorten des Diciotto Lunes sowie aus Müller-Thurgau gebrannt, um anschließend 10 Monate in 300 Liter Amphoren zu reifen. Dadurch erhält er seine einzigartige Weichheit und Eleganz. Nun kommen wir zu den sortenreinen Le Giare Grappen: Chardonnay, Gewürztraminer (mein Favorit) und Amarone zeigen jeweils ganz deutlich ihre Sortentypizität. Und bieten ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis.

Eine Stufe höher sind die Flaschen bereits auf 1500 Stück pro Jahr limitiert. Vier unterschiedliche Le Espressioni hat Marzadro im Angebot. Eine lange Fassreife (4-5 Jahre) lassen hochkomplexe Grappen mit unverkennbarem Duft, langem Nachhall und einzigartiger Harmonie entstehen. Hier zeigt sich die Kunst des Brennmeisters: aus vielen Einzelkomponenten (Trestersorte, Holzart, Fassgröße, Fassreife) ein wahrlich harmonisches Produkt zu kreieren. Eine Steigerung gibt es jedoch noch. Mit der ebenfalls limitierte Affina Linie bei der der Grappa  8-10 Jahre entweder in Kirsch, Akazien oder Eichenholz lagert. Sicher mit einem Preis von gut 170€ für den Kunden auch die Spitze der Pyramide. Grappa verkostet man bei Marzadro bei Zimmertemperatur in Grappaglas. Ein lustiger Versuch mit einem bauchigen Weinglas zeigt, wie wichtig das Grappaglas für den Genuss ist.
Bevor es am Abend in das familieneigene Restaurant geht, welches zum neu erworbenen Weingut gehört, machen wir einen Abstecher ins zwanzig Kilometer entfernte Riva del Garda. Mit Blick auf den See geniessen wir die Sonne und einen Grappacocktail.
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Im Osten des Ortes erhebt sich der 1.575 m hohe Monte Rocchetta. Zu Fusse der magischen Felswand lassen wir bei guten Essen und gutem Wein den Tag revuepassieren. Es war eine ungemein spannende und lehrreiche, aber auch genussvolle und vergnügliche Zeit. Wir sind dankbar für die großzügige, aber vor allem warmherzige Gastfreundschaft der Familie Marzadro.

 

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